USA: Computeralgorithmus soll toxikologische Tierversuche überflüssig machen

Wissenschaftler der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health aus Maryland/USA haben einen lernenden Algorithmus entwickelt, der laut Studie die Giftigkeit neuer Chemikalien besser vorhersagen kann als Tierversuche. Dafür haben die Forscher eine Karte mit bekannten Chemikalien erstellt, in der chemische Strukturen mit ihren toxischen Eigenschaften verbunden wurden. Mit dieser Simulation war es im Versuch möglich, die Toxität von unbekannten chemikalischen Verbindungen vorauszusagen.

Laut Gesetz müssen Chemikalien in den USA zunächst immer an Tieren getestet werden, bevor sie auf den Markt kommen. Millionen von Tieren müssen daher jährlich solche Tests auf Toxität ertragen. Diese Tests stoßen nicht nur bei einem Großteil der Bevölkerung aus ethischen Gründen auf Ablehnung. Auch in der Industrie sind Tierversuche mittlerweile umstritten aufgrund hoher damit verbundener Kosten sowie der Ungenauigkeit der Ergebnisse.

„Ein neues Pestizid z.B. könnte 30 verschiedene Tierversuche erfordern, was den Auftraggeber um die 20 Millionen Dollar kosten würde.“, so Thomas Hartung, Leiter der Untersuchung an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health. Im Rahmen der Erstellung der Datenbank fanden die Forscher auch heraus, dass es häufig vorkam, dass dieselbe Chemikalie mehrfach im Tierversuch getestet wurde.

Der neue Computeralgorithmus aus Maryland könnte ein echter Durchbruch sein, der zukünftig sowohl die Zahl der Tierversuche als auch die Kosten für die Industrie beträchtlich senkt und dabei bessere Ergebnisse als der Versuch am Tier liefert. Die amerikanische Behörde für Lebens- und Arzneimittel und die Umweltschutzbehörde haben nun begonnen zu testen, ob der Algorithmus zukünftig die Sicherheit von Chemikalien in Essen, Arzneimitteln und anderen Verbraucherprodukten gewährleisten kann. Damit würde eine erhebliche Zahl von Tierversuchen überflüssig werden.

„Eines Tages können Chemiker die Datenbank vielleicht nutzen, um die Toxität von Chemikalien vorherzusagen, bevor man sie überhaupt herstellt. Dann können sich Chemiker ganz darauf konzentrieren, nur nicht-toxische Stoffe zu entwickeln.“, so Hartung.

Quellen: – Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, News Release, Database analysis more reliable than animal testing for toxic chemicals – Süddeutsche.de,  Viele Tierversuche könnten durch Software ersetzt werden